Bauen im Wandel: Zukunft systemisch gedacht

Beitragsart: Mitteilung

Aktualisiert am 2. Juli 2026

Mit Bauen im Wandel wird der tiefgreifende Strukturwandel im Bauwesen bezeichnet, der weit über die Einführung einzelner Technologien hinausreicht. Digitalisierung, Nachhaltigkeit, Künstliche Intelligenz, Robotik, neue Kompetenzprofile und veränderte gesellschaftliche Erwartungen greifen ineinander und erzeugen Abhängigkeiten, die sich isoliert nicht mehr begreifen lassen. Wer die Zukunft des Bauens verstehen will, muss daher die Beziehungen zwischen Technik, Organisation, Mensch, Bildung und Gesellschaft in den Blick nehmen.

Symposium „Bauen im Wandel”

Das Symposium „Bauen im Wandel” der Fachdidkatik Bautechnik an der Universität Duisburg-Essen schafft am 10. und 11. September 2026 einen interdisziplinären Austauschraum für Wissenschaft, Praxis und Bildung und versteht sich als Auftakt einer langfristig angelegten wissenschaftlichen Plattform. Bis zum 17. Juli 2026 sind Forschende, Fachleute und Lehrende eingeladen, eigene Perspektiven in Form eines Abstracts über ein Einreichungsformular einzubringen.

Wenn über die Zukunft des Bauens gesprochen wird, stehen häufig einzelne Methoden oder Technologien im Mittelpunkt: Building Information Modeling, Digitale Zwillinge, Künstliche Intelligenz, Robotik oder der 3D-Druck. Je tiefer jedoch der Blick in die digitale Transformation der Bau- und Immobilienwirtschaft geht, desto deutlicher wird, dass die eigentliche Veränderung nicht in den Werkzeugen selbst liegt. Sie liegt in den Beziehungen zwischen Technik, Organisation, Mensch, Bildung und Gesellschaft.

Diese Verschiebung der Perspektive ist kein akademisches Detail. Sie entscheidet darüber, ob Investitionen in neue Technologien tatsächlich Wirkung entfalten oder ob sie als isolierte Insellösungen verpuffen. Eine BIM-fähige Software, die niemand kooperativ nutzt, bleibt ein teures Zeichenprogramm. Ein Digitaler Zwilling, dessen Daten organisatorisch nicht verankert sind, bleibt ein Datenfriedhof. Von daher braucht das Bauwesen weniger eine weitere Technologiedebatte als vielmehr eine systemische Perspektive, die das Zusammenspiel der Teile sichtbar macht. Aus dieser Überzeugung heraus ist das Symposium „Bauen im Wandel” entstanden, das im September 2026 erstmals stattfindet.

Was bedeutet „Bauen im Wandel”?

Bauen im Wandel bezeichnet die strukturelle Transformation der Bau- und Immobilienwirtschaft von einer projektgetriebenen, erfahrungsbasierten Branche hin zu einem daten-, modell- und wissensbasierten sozio-technischen System. Im Zentrum steht nicht eine einzelne Technologie, sondern das Zusammenwirken von Technik, Organisation, Mensch, Bildung und Gesellschaft über den gesamten Lebenszyklus der gebauten Umwelt.

Warum das Bauwesen im Wandel ist

Der Wandel des Bauwesens speist sich aus mehreren Quellen, die sich gegenseitig verstärken. Die Digitalisierung verändert, wie geplant, gebaut, betrieben und erhalten wird, da durchgängige Informationsmodelle die bislang getrennten Phasen des Lebenszyklus miteinander verknüpfen. Wo früher Pläne übergeben und neu interpretiert wurden, entstehen heute fortgeschriebene Datenbestände, die über Disziplin- und Unternehmensgrenzen hinweg geteilt werden können. Diese Durchgängigkeit ist technisch anspruchsvoll, ihre eigentliche Hürde liegt jedoch in den Prozessen und Verantwortlichkeiten, die neu gedacht und geordnet werden müssen.

Parallel dazu verändern Nachhaltigkeitsanforderungen mehr denn je die Materialwahl, die Prozesse, die Betrachtung von Lebenszyklen und letztlich die Geschäftsmodelle. Der Bausektor zählt zu den ressourcenintensivsten Wirtschaftsbereichen überhaupt. Das Bauwesen verbraucht nach Angaben des Umweltprogramms der Vereinten Nationen 32 Prozent der weltweiten Energie und ist für 34 Prozent der globalen CO2-Emissionen verantwortlich. Der Sektor ist auf Materialien wie Zement und Stahl angewiesen, die 18 % der weltweiten Emissionen verursachen und eine Hauptquelle für Bauabfälle darstellen (vgl. UNEP, Global Status Report for Buildings and Construction 2024). Diese Größenordnung macht deutlich, dass Klimaziele ohne eine Transformation des Bauens nicht erreichbar sind. Nachhaltigkeit ist damit keine ergänzende Anforderung mehr, sondern ein gestaltendes Prinzip, das in Planung, Ausführung und Betrieb hineinwirkt und nicht zuletzt zur notwendigen Twin Transition führt, d.h eine gleichzeitige und miteinander verknüpfte Transformation.

Hinzu kommt der demografische Wandel. Der Fachkräftemangel verändert die Kompetenzanforderungen erheblich, da knapper werdendes Personal durch bessere Werkzeuge, höhere Qualifikation und veränderte Arbeitsteilung kompensiert werden muss. Künstliche Intelligenz, Robotik und Datenräume verändern in diesem Zuge die Entscheidungsprozesse, indem sie Routineaufgaben übernehmen und gleichzeitig neue Anforderungen an Urteilskraft und Verantwortung stellen. Klimaanpassung und Resilienz erfordern zudem neue Strategien, weil die gebaute Umwelt zunehmend mit Extremwetterereignissen, Versorgungsunsicherheiten und veränderten Nutzungsanforderungen konfrontiert ist.

In dieser Gemengelage werden Bildung und Weiterbildung zu zentralen Transformationshebeln. Denn keine der genannten Entwicklungen entfaltet ihre Wirkung, solange die handelnden Akteurinnen und Akteure nicht über die erforderlichen Kompetenzen verfügen. Insofern zeigt sich bereits an dieser Stelle, dass technische und nicht-technische Faktoren untrennbar miteinander verbunden sind. Wer den Wandel nur als Frage der Werkzeuge begreift, übersieht die organisatorischen, didaktischen und gesellschaftlichen Bedingungen, unter denen diese Werkzeuge überhaupt erst wirksam werden.

Passend zu diesem Beitrag

Technologie allein reicht nicht

Die zentrale Fehlannahme der vergangenen Jahre bestand darin, Transformation mit Technologieeinführung gleichzusetzen. Diese Gleichsetzung ist nicht ausreichend, wie sich an jeder der diskutierten Schlüsseltechnologien zeigen lässt.

Building Information Modeling (BIM) ist nicht primär Software, sondern eine kooperative Methode. Der Mehrwert entsteht nicht durch ein Modellierungsprogramm, sondern durch die abgestimmte Zusammenarbeit aller am Lebenszyklus beteiligten Akteurinnen und Akteure entlang gemeinsamer Datenstrukturen. Wird BIM lediglich als technisches Format eingeführt, ohne dass Prozesse, Rollen und Auftraggeber-Anforderungen darauf abgestimmt werden, bleibt das Potenzial ungenutzt.

Ähnliches gilt für Digitale Zwillinge. Diese sind nicht nur Datenmodelle, sondern Entscheidungsinfrastrukturen. Ihr Wert liegt darin, dass sie Betriebszustände abbilden, Auswertungen ermöglichen und Entscheidungen über den Betrieb eines Bauwerks unterstützen. Damit verlagert sich ihre Bedeutung von der technischen Repräsentation hin zur organisatorischen Frage, wer auf welcher Datengrundlage welche Entscheidungen trifft. Hier ist ebenso der Bereich der Aus- und Weiterbildung mit dem entsprechenden Kompetenzerwerb ausgerichtet auf Digitale Zwillinge ein relevantes Thema.

Künstliche Intelligenz (KI) wiederum ist mehr als Automatisierung. Sie verändert Rollen, Verantwortung und Urteilskraft, da sie Vorschläge generiert, Muster erkennt und Entscheidungen vorstrukturiert, deren fachliche Bewertung weiterhin beim Menschen verbleibt. Obgleich KI erhebliche Effizienzgewinne verspricht, muss dennoch berücksichtigt werden, dass die Verantwortung für sicherheitsrelevante Entscheidungen nicht delegierbar ist. Robotik schließlich ist nicht nur technische Innovation, sondern berührt Arbeitsorganisation, Arbeitssicherheit und Akzeptanz unmittelbar, da sie das Verhältnis von menschlicher und maschineller Arbeit auf der Baustelle neu ordnet. Und Nachhaltigkeit ist, wie bereits skizziert, keine reine Materialfrage, sondern eine Systemfrage, die Planung, Beschaffung, Betrieb und Rückbau gleichermaßen betrifft.

Hieraus ergibt sich eine Leitthese, die den roten Faden des Symposiums bildet:

Die Zukunft des Bauens entscheidet sich nicht allein daran,
welche Technologien verfügbar sind,
sondern daran, wie sie organisatorisch, didaktisch,
gesellschaftlich und ethisch eingebettet werden.

Bauen im Wandel: Das Bauwesen als sozio-technisches Transformationsfeld

Um diese Einbettung zu verstehen, ist ein Begriff hilfreich, der in der Technik- und Organisationsforschung seit Langem etabliert ist: das sozio-technische System. Gemeint ist damit, dass technische und soziale Komponenten eines Systems nicht unabhängig voneinander optimiert werden können, sondern in wechselseitiger Abhängigkeit stehen. Eine Veränderung an der Technik zieht Veränderungen an Rollen, Prozessen und Kompetenzen nach sich und umgekehrt.

Auf das Bauwesen übertragen bedeutet das:

Das Bauwesen ist kein rein technisches System.
Es ist ein sozio-technisches Gefüge aus Menschen, Organisationen,
Regeln, Materialien, Daten, Infrastrukturen, Bildungswegen
und gesellschaftlichen Erwartungen.

Aus dieser Perspektive lässt sich erklären, warum umfassende, systemisch orientierte Technologiedebatten notwendig sind, denn isolierte Technologiedebatten betrachten eine Komponente des Systems, blenden jedoch die Rückwirkungen auf die übrigen Komponenten aus. Eine neue Software verändert Arbeitsweisen, eine neue Arbeitsweise verändert Qualifikationsanforderungen, veränderte Qualifikationsanforderungen verändern Ausbildungswege, und veränderte Ausbildungswege verändern, wer künftig überhaupt im Bauwesen arbeitet. Wer nur die Software betrachtet, übersieht diese Kette von Wirkungen.

Von daher müssen Baupraxis, Forschung, Bildung, Verwaltung und Politik gemeinsam betrachtet werden. Diese Bereiche sind nicht voneinander getrennte Zuständigkeitsräume, sondern Teile eines zusammenhängenden Transformationsfeldes. Eine Verwaltung, die digitale Bauanträge ermöglicht, verändert die Anforderungen an Planungsbüros. Eine Hochschule, die neue Kompetenzprofile vermittelt, verändert das Personal, das in Unternehmen und Verwaltungen einzieht. Politische Rahmensetzungen verändern die Investitionslogik der gesamten Wertschöpfungskette. Siehe dazu auch der PETIES-Ansatz (Politics, Economy, Technology, Individual, Education, Society).

Die systemische Perspektive hat zudem einen praktischen Nutzen, der über das bloße Verständnis hinausreicht. Sie hilft, Nebenfolgen, Abhängigkeiten und Zielkonflikte sichtbar zu machen, bevor diese sich als kostspielige Fehlentwicklungen niederschlagen. Eine ausschließlich auf Effizienz optimierte Automatisierung kann beispielsweise Akzeptanzprobleme bei den Beschäftigten erzeugen, die den erhofften Produktivitätsgewinn wieder aufzehren. Eine systemische Betrachtung macht solche Zielkonflikte früh erkennbar und damit auch besser gestaltbar.

Vier zentrale Transformationsfelder für das Bauen im Wandel

Das Symposium gliedert die Transformation in vier Felder, die sich gegenseitig durchdringen und im Programm bewusst nicht voneinander isoliert behandelt werden. Im Folgenden wird dargestellt, welche Relevanz die einzelnen Felder besitzen, welche konkreten Fragestellungen sie aufwerfen und wie sie an das Symposium anknüpfen.

Digitale Transformation des Bauwesens

Das erste Feld umfasst Building Information Modeling, Digitale Zwillinge, Künstliche Intelligenz, Robotik und Automatisierung, Datenräume und Plattformen sowie Smart Buildings und Smart Cities. Seine Relevanz ergibt sich daraus, dass diese Technologien die informationelle Grundlage des Bauens neu ordnen. Sie entscheiden darüber, welche Daten in welcher Qualität verfügbar sind, wer auf sie zugreift und wie aus ihnen Entscheidungen abgeleitet werden.

Konkret zeigt sich das zum Beispiel an gemeinsamen Datenumgebungen, in denen Planungsdaten projektübergreifend verwaltet werden, oder an datenbasierten Plattformen, über die Betriebsinformationen eines Gebäudebestands ausgewertet werden. Offen bleiben dabei zahlreiche Forschungs- und Praxisfragen: Wie lassen sich Datensouveränität und Interoperabilität dauerhaft sichern? Wie wird verhindert, dass Plattformen neue Abhängigkeiten erzeugen? Welche Rolle spielt KI bei sicherheitsrelevanten Entscheidungen, und wo verläuft die Grenze zwischen Unterstützung und Übernahme von Verantwortung? Beiträge, die diese Fragen empirisch oder konzeptionell bearbeiten, fügen sich unmittelbar in das Symposium ein.

Nachhaltigkeit und Resilienz

Das zweite Feld behandelt zirkuläres Bauen, Ressourceneffizienz, Klimaanpassung, resiliente Infrastrukturen, nachhaltige Baustoffe und Lebenszyklusorientierung. Angesichts des bereits genannten Emissionsanteils des Bausektors ist dieses Feld von erheblicher gesellschaftlicher Tragweite. Zirkuläres Bauen verlangt, dass Bauwerke von Beginn an so geplant werden, dass ihre Bestandteile später wiederverwendet werden können, was Materialpässe, demontagefreundliche Konstruktionen und veränderte Beschaffungslogiken voraussetzt.

Die Lebenszyklusorientierung verschiebt den Blick vom Errichtungszeitpunkt auf die gesamte Nutzungsdauer, da der überwiegende Teil der Umweltwirkungen und Kosten eines Bauwerks im Betrieb entsteht. Offen sind hier insbesondere Fragen der Bewertung: Wie lassen sich Nachhaltigkeitswirkungen über Jahrzehnte verlässlich erfassen? Wie werden ökologische und ökonomische Ziele in Vergabeverfahren miteinander verbunden? Wie lässt sich Resilienz, also die Fähigkeit von Infrastrukturen, Störungen zu verkraften und sich anzupassen, planbar und überprüfbar machen? Das Symposium bietet einen Rahmen, um solche Bewertungs- und Steuerungsfragen interdisziplinär zu diskutieren.

Passend zu diesem Beitrag

Mensch, Organisation und Kompetenz

Das dritte Feld rückt die Akteurinnen und Akteure in den Mittelpunkt und umfasst neue Kompetenzprofile, berufliche und akademische Bildung, Organisationsentwicklung, Veränderungsmanagement, Mensch-Technik-Interaktion, die Akzeptanz digitaler Technologien sowie die Professionalisierung des Personals. Dieses Feld ist deshalb so bedeutsam, weil es über Erfolg oder Scheitern der übrigen drei Felder entscheiden kann. Technologien, Nachhaltigkeitsstrategien und Methoden werden von Menschen umgesetzt, die dafür qualifiziert und organisatorisch eingebunden sein müssen.

Die Diskussion um BIM-Qualifizierung, wie sie etwa in der Richtlinienreihe VDI/bS 2552 geführt wird, verdeutlicht den Handlungsbedarf. Es genügt nicht, Werkzeuge bereitzustellen, vielmehr müssen Kompetenzprofile definiert, Bildungswege gestaltet und Lehrende selbst qualifiziert werden. Hieraus ergeben sich offene Fragen für Forschung und Praxis gleichermaßen: Welche Kompetenzen benötigen Fachkräfte in einem datenbasierten Bauwesen tatsächlich? Wie werden Lehrkräfte an beruflichen Schulen und Hochschulen auf die digitale Transformation vorbereitet? Welche didaktischen Konzepte und Lernorte sind geeignet, um diese Kompetenzen zu vermitteln? Gerade Beiträge aus der Lehrkräftebildung und der Hochschuldidaktik schließen hier eine bislang oft vernachlässigte Lücke.

Innovative Methoden und Forschungsansätze

Das vierte Feld widmet sich den Methoden, mit denen die Transformation erforscht und gestaltet werden kann: Simulation und Planspiele, System Dynamics, Data Analytics, Reallabore und Living Labs sowie Zukunfts- und Szenarioforschung. Diese Methoden sind insofern grundlegend, als sie es erlauben, komplexe Wechselwirkungen zu untersuchen, ohne sie unmittelbar in der teuren und langsamen Realität des Bauens erproben zu müssen.

System Dynamics etwa eignet sich, um Rückkopplungen und Verzögerungen in Transformationsprozessen abzubilden, während Planspiele es ermöglichen, kooperatives Verhalten und Entscheidungslogiken in einem geschützten Rahmen erfahrbar zu machen. Reallabore und Living Labs wiederum verbinden Forschung und Praxis, indem sie Innovationen unter realen, aber kontrollierten Bedingungen testen. Offen bleibt, wie sich Erkenntnisse aus solchen Settings verlässlich auf den Regelbetrieb übertragen lassen und wie methodische Strenge mit praktischer Anwendbarkeit verbunden werden kann. Das Symposium versteht sich ausdrücklich auch als Ort, an dem diese methodischen Fragen diskutiert werden.

Warum ein Symposium für das „Bauen im Wandel” jetzt notwendig ist

Die vorstehende Betrachtung macht deutlich, dass die Transformation des Bauwesens nicht in einzelnen Disziplinen bewältigt werden kann. Sie verlangt Austausch über die etablierten Grenzen hinweg. Wissenschaft und Praxis müssen stärker miteinander verbunden werden, da Forschungsergebnisse ohne praktische Erprobung folgenlos bleiben und Praxiserfahrungen ohne wissenschaftliche Einordnung nicht verallgemeinerbar sind.

Bildung muss frühzeitig in Transformationsprozesse eingebunden werden, denn die Kompetenzen, die heute vermittelt werden, prägen die Baupraxis der kommenden Jahrzehnte. Wird Bildung erst nachträglich angepasst, entsteht eine dauerhafte Lücke zwischen den Anforderungen der Praxis und den verfügbaren Qualifikationen. Von daher braucht es Räume, in denen technologische, organisatorische, didaktische und gesellschaftliche Perspektiven nicht nacheinander, sondern miteinander verhandelt werden.

Genau diese Funktion erfüllt das Symposium „Bauen im Wandel”. Es ist nicht als einmalige Veranstaltung konzipiert, sondern als Auftakt einer langfristig angelegten wissenschaftlichen Plattform, die den interdisziplinären Dialog dauerhaft trägt. Die Anbindung an die Springer-Reihe gleichen Namens sichert dabei, dass die diskutierten Beiträge nicht im Tagungsgeschehen verbleiben, sondern als belastbare wissenschaftliche Veröffentlichungen verfügbar werden.

Wer einreichen sollte beim Symposium „Bauen im Wandel”

Das Symposium richtet sich bewusst an ein breites Spektrum von Akteurinnen und Akteuren, da die systemische Perspektive nur dann trägt, wenn unterschiedliche Blickwinkel zusammenkommen. Angesprochen sind zunächst Forschende, die empirische, theoretische oder konzeptionelle Beiträge einbringen und damit die wissenschaftliche Fundierung der Diskussion stärken. Ebenso eingeladen sind Praktikerinnen und Praktiker mit konkreten Projektbeispielen, die zeigen, wie Transformation unter realen Bedingungen gelingt oder woran sie scheitert.

Lehrende mit didaktischen Konzepten sind ausdrücklich angesprochen, da die Bildungsperspektive in der Transformationsdebatte des Bauwesens bislang unterrepräsentiert ist. Unternehmen mit Innovations- und Transformationsprojekten können ihre Erfahrungen als Praxisimpulse einbringen, während Verwaltungen und Institutionen Erkenntnisse aus Infrastruktur, Stadtentwicklung, Klimaanpassung oder Digitalisierung beisteuern. Schließlich sind Personen aus Berufsbildung, Hochschulbildung und Weiterbildung eingeladen, deren Arbeit die personelle Grundlage des künftigen Bauwesens prägt.

Besonders willkommen sind dabei Beiträge, die nicht in einem einzelnen Feld verharren:

Gerade Beiträge, die Brücken schlagen – zwischen Technologie und Bildung,
zwischen Nachhaltigkeit und Organisation, zwischen Forschung und Baupraxis –,
passen besonders gut zum Anspruch des Symposiums.

Für wen ist das Symposium relevant?

Das Symposium ist relevant für Bauingenieurinnen und Bauingenieure, Architektinnen und Architekten, Fach- und Führungskräfte aus Planung, Bau, Betrieb und Verwaltung, Expertinnen und Experten aus Informatik, Data Science und Digitalisierung, Forschende aus der Nachhaltigkeits-, Organisations- und Transformationsforschung sowie für Hochschullehrende, Lehrkräfte an beruflichen Schulen, Ausbilderinnen und Ausbilder und Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger aus Politik, Verbänden und Institutionen.

Der Call for Papers im Überblick

Das Symposium „Bauen im Wandel” findet als Online-Veranstaltung am 10. und 11. September 2026 statt, ausgerichtet von der Fachdidaktik Bautechnik an de´r Universität Duisburg-Essen. Abstracts können bis zum 17. Juli 2026 eingereicht werden, und zwar ausschließlich über das Online-Formular auf der offiziellen Symposiumsseite. Einreichungen sind in deutscher oder englischer Sprache möglich.

Für die Beiträge stehen zwei Formate zur Verfügung:

  • Wissenschaftliche Vorträge umfassen zwanzig Minuten Vortrag und zehn Minuten Diskussion und richten sich an forschungsbasierte Beiträge.
  • Praxisimpulse umfassen fünfzehn Minuten und dienen der Vorstellung innovativer Projekte und Erfahrungen aus Unternehmen, Verwaltung und Organisationen mit anschließender Diskussion.

Ausgewählte Beiträge werden nach einem Review-Verfahren für die Veröffentlichung in der Springer-Reihe „Bauen im Wandel – Systemische Perspektiven auf Organisation, Technik und Gesellschaft” berücksichtigt.

Der weitere Zeitplan sieht die Benachrichtigung über die Annahme zum 17. August 2026 und die Veröffentlichung des Konferenzprogramms zum 31. August 2026 vor. Die Vollbeiträge sind bis zum 15. November 2026 einzureichen, das Peer Review erstreckt sich von November 2026 bis Januar 2027. Die Veröffentlichung des Sammelbandes ist für den Sommer 2027 geplant. Alle verbindlichen Angaben finden sich auf der offiziellen Symposiumsseite der Universität Duisburg-Essen.

Fundierte Hintergründe zu diesem Themenbereich finden Sie auf der Hub-Seite: Digitalisierung der Bauwirtschaft.

Und nun?

Die Zukunft des Bauens entsteht nicht von selbst. Sie wird gestaltet und zwar durch Forschung, durch Praxis, durch Bildung, durch mutige Fragen und durch die Bereitschaft, vertraute Denkmuster zu hinterfragen. Die vorstehende Betrachtung hat gezeigt, dass die fundamentale Aufgabe nicht in der Bereitstellung weiterer Technologien liegt, sondern in ihrer organisatorischen, didaktischen, gesellschaftlichen und ethischen Einbettung. Wer das Bauwesen als sozio-technisches Transformationsfeld begreift, gewinnt nicht nur ein präziseres Verständnis der gegenwärtigen Umbrüche, sondern auch die Fähigkeit, sie aktiv mitzugestalten.

Das Symposium „Bauen im Wandel” bietet dafür den Raum. Es verbindet Wissenschaft, Praxis und Bildung und macht die Wechselwirkungen sichtbar, die in isolierten Debatten verborgen bleiben. Prüfen Sie daher, ob Ihre Forschung, Ihr Projekt, Ihre Lehridee oder Ihr Praxisbeispiel zu diesem Anspruch passt. Besuchen Sie die offizielle Symposiumsseite der Universität Duisburg-Essen, informieren Sie sich über die Themenfelder und Formate und reichen Sie bis zum 17. Juli 2026 ein Abstract ein. Die Transformation des Bauwesens braucht Ihre Perspektive.

Schlagwörter: Bauen im Wandel, Transformation des Bauwesens, digitale Transformation im Bauwesen, systemische Perspektive Bauwesen, Symposium Bauwesen 2026

Diesen Beitrag zitieren: Karl, C. [Christian K. Karl]. (2026). Bauen im Wandel: Zukunft systemisch gedacht [Journal-Beitrag]. 20.06.2026. BauVolution, ISSN 2942-9145. online verfügbar

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Zum Autor
Spannende Einblicke zum Thema Exoskelette im Bauwesen finden Sie auf der Serien-Seite: Beitragsserie Exoskelette im Bauwesen.
Schauen Sie auch gerne in die kuratierte Liste von LinkedIn-Beiträgen.
Begriffserklärung: BauVolution

BauVolution bezeichnet die strukturelle Transformation der Bau- und Immobilienwirtschaft zu einem daten- und modellbasierten sozio-technischen System.

Der Begriff wurde von Dr.-Ing. Christian K. Karl geprägt und erstmals auf BauVolution.de systematisch beschrieben.

Vollständige Definition lesen →
So können Sie den Begriff zitieren
Karl, C. K. (2026): Was bedeutet BauVolution? Definition eines Konzepts. BauVolution Journal. URL: https://bauvolution.de/2026/02/08/definition-bauvolution/