Aktualisiert am 11. Januar 2026
Hochschulen stehen unter Druck – wer sich in diesem Umfeld nicht bewegt, fragt jetzt zu Recht: Warum denn das? Schließlich gelten sie seit Jahrzehnten als Orte der Stabilität, ausgestattet mit einem klaren Bildungsauftrag und verfassungsrechtlich geschützter Freiheit in Forschung und Lehre. Doch hinter den ehrwürdigen Fassaden türmen sich längst gewaltige Herausforderungen.
Die Politik fordert Innovationen, ruft nach mehr Digitalisierung, nach Nachhaltigkeit, nach internationaler Wettbewerbsfähigkeit und exzellenten Ergebnissen die international anschlussfähig sind und als Leuchttürme gelten können. Gleichzeitig kürzt sie Budgets, überzieht Hochschulen mit neuen Berichtspflichten und überlässt es den Fakultäten, mit immer knapperen Ressourcen die Quadratur des Kreises zu leisten.
Am deutlichsten zeigt sich dieser Widerspruch in den praxisintensiven Disziplinen wie dem Bauwesen, wo Laborarbeit, moderne Infrastruktur und persönliche Betreuung nicht entbehrlicher Luxus, sondern die Voraussetzung für Qualität sind. Wenn Studierende im Labor an Betonproben arbeiten oder ein komplexes Gebäudemodell im EDV-Labor aufbauen, wird klar, dass Qualität ohne ausreichende Infrastruktur schlicht nicht möglich ist. Genau daran zeigt sich, warum Hochschulen unter Druck geraten: Sie sollen Transformation gestalten, ohne dafür die notwendigen Mittel zu haben.
Transparenzhinweis: Dieser Beitrag spiegelt ausschließlich meine persönlichen Beobachtungen und Einschätzungen wider. Ich schreibe aus meiner Perspektive als Privatperson, Lehrender und Forscher. Alle Inhalte sind meine eigenen Ansichten und nicht als Stellungnahme oder offizielle Position meines Dienstherrn, meiner Universität oder meiner Fakultät zu verstehen.
Hochschulen unter Druck: Sparzwang trifft die Zukunft der Bauwirtschaft
Berlin als Beispiel für den Sparkurs
Die Kürzungen an deutschen Hochschulen sind längst keine abstrakte Haushaltszeile mehr, sondern treffen die Lehr- und Forschungsrealität im Bauingenieurwesen mit voller Wucht. Berlin steht exemplarisch: Für 2025 fehlen den Hochschulen der Hauptstadt über 140 Millionen Euro, verbunden mit Ankündigungen, Studienplätze zu reduzieren und Professuren nicht nachzubesetzen (siehe hier und hier). In der Folge warnt die gesamtdeutsche Hochschullandschaft vor Qualitätsverlusten, während Studierende, Beschäftigte und Hochschulleitungen in Protesten öffentlich Druck machen.

Einschnitte in Hessen und NRW
Parallel diskutiert Hessen spürbare Einschnitte, die bereits zur Streichung oder Ausdünnung von Studienangeboten führen (siehe hier). In Nordrhein-Westfalen (NRW) sind ab dem Haushaltsjahr 2026 Einsparungen bei der Grundfinanzierung der Hochschulen in Höhe von etwa 255 Millionen Euro pro Jahr vorgesehen – das entspricht rund 5 % des Hochschulbudgets, wie ursprünglich aus internen Kreisen bekannt wurde. Zusätzlich plante das Land, sich durch eine einmalige Entnahme in Höhe von 240 Millionen Euro an Hochschulrücklagen zu bedienen (siehe hier).
In NRW haben bereits verschiedene Aktuere auf die Situation reagiert, wie beispielsweise die Gemeinsame Resolution von 10 Senaten der Universitäten des Landes Nordrhein-Westfalen deutlich zeigt.
Rückgang beim Nachwuchs und Lehrkräftemangel
Diese Entwicklungen fallen in eine Phase, in welcher der Ingenieur‑Nachwuchs ohnehin rückläufig ist und der Lehrkräftemangel an Berufskollegs – einschließlich Bautechnik – als strukturelle Dauerkrise fortbesteht (siehe hier). Da können Initiativen wie das Handlungskonzept Unterrichtsversorgung von Frau Minsterin Dorothee Feller (siehe hier) in NRW auch nicht das volle Potential entfalten, wenn beispielsweise Lehramtsstudiengänge in gewerblich-technischen Fachrichtungen von den Fachwissenschaften abhängig sind, die aktuell massiven Sparzwängen unterliegen. Ich will es mal ganz deutlich sagen:
Auch wenn Ministerien organisatorisch für unterschiedliche Bildungsstufen zuständig sind, sollte das Ministerium für Kultur und Wissenschaft (MKW) stärker mit dem Ministerium für Schule und Bildung (MSB NRW) zusammenarbeiten. Abgestimmte Strategien und Initiativen, die alle Fachrichtungen der Lehramtsausbildung berücksichtigen, wären dringend notwendig. Da beide Ministerien derzeit von derselben Regierungspartei verantwortet werden, sollte dies politisch weniger problematisch sein.
Persönliche Erfahrungen aus der Lehre
In meiner Rolle als Hochschullehrer und Senator der Universität Duisburg-Essen spüre ich die aufkommenden Probleme unmittelbar: Seminare werden kleiner, Anfragen für Abschlussarbeiten bleiben aus, und gleichzeitig steigen die Erwartungen aus der Praxis, die wir in der Fakultät mit weniger Schultern stemmen sollen. Dass Hochschulen unter Druck stehen, ist hier nicht abstrakt, sondern wird in Seminaren und Projekten täglich sichtbar. Das wird zwangsläufig Auswirkungen auf das berufliche Umfeld haben das wir bedienen: die Bauwirtschaft.
Sparmaßnahmen betreffen Menschen
Zudem wird bereits jetzt an der Personaldecke “optimiert”, was nicht nur Auswirkungen auf Forschung und Lehre hat, sondern auch auf Einzelschicksale für die wir als Führungskräfte unserer Universitäten Verantwortung übernommen haben. Bei allen Debatten ist nämlich eines nicht zu vergessen: Es geht um Menschen!
Strategische Ebene: Wachsende Erwartungen, schrumpfende Ressourcen
Hochschulen unter Druck durch Digitalisierung als Pflichtaufgabe
Zeitgleich wächst der Erwartungsdruck von außen: Der Bund führt BIM als Methode bei Bundesbauten und in der Verkehrsinfrastruktur stufenweise flächendeckend ein, flankiert durch Masterpläne, Leitfäden und das nationale Kompetenzzentrum BIM Deutschland. Von daher ist die Digitalisierung der Bauwirtschaft im Jahr 2025 gelebte Realität: BIM wird Standard, digitale Zwillinge überwachen Bauwerke in Echtzeit, KI eröffnet neue Möglichkeiten. IoT, Drohnen und Robotik schaffen neue Baustellenrealitäten (siehe dazu auch die Beiträge Digitalisierung der Bauwirtschaft: 5 Gründe, die den Wandel prägen und Exoskelette der Zukunft: Trends und Visionen für die Baustelle).

Für Fakultäten bedeutet das: Wenn Absolventinnen und Absolventen im Markt bestehen sollen, müssen die Fakultäten ihre Lehrinhalte, Software‑Stacks und Workflows anpassen und dauerhaft aktuell halten. Und weil technologischer Fortschritt immer schneller wird, muss das die Aktualisierung im Gegensatz zu früher in einer höheren Geschwindigkeit geschehen.
Was ist ein Software-Stack?
Ein Software-Stack ist eine Sammlung von Softwarekomponenten und -technologien, die übereinander gestapelt sind und zusammenarbeiten, um eine gemeinsame Funktion zu erfüllen und eine Plattform für eine Anwendung zu bilden. Komponenten sind z.B. Betriebssystem, Webserver, Datenbanken und Programmiersprachen bzw. Frameworks.
Anspruch und Wirklichkeit klaffen auseinander
Genau hier prallen „Zukunft Bauingenieurwesen” und „Hochschulen unter Druck” aufeinander: Politisch wird Digitalisierung eingefordert, finanziell aber die Umsetzungsmittel in den Hochschulen zusammengestrichen. Ohne stabile Investitionspfade in z.B. Labore, Versuchsanlagen, Lizenzen, Rechenleistung und XR‑Hardware wächst die Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Die ohnehin weniger werdenden Fachkräfte könne so langfristig nicht mehr hervorgebracht werden, was mittelfristig den Wirtschaftsstandort Deutschland zunehmend belasten wird. Den Zusammenhang zwischen Fachkräftemangel und Innovation stellt dieser VDI-Beitrag sehr gut dar.
Hochschulstärkungsgesetz setzt Hochschulen unter Druck
Zur Schieflage trägt auch bei, dass neue hochschulrechtliche Vorgaben in NRW zwar mit dem Ziel einer „Stärkung” auftreten, in der Praxis jedoch zusätzliche Verfahren und Berichtspflichten erzeugen, die Ressourcen von Fakultäten binden. By the way: Als ich zum ersten Mal den Begriff “Hochschulstärkungsgesetz” gelesen habe, dachte ich mir: Welcher clevere Stratege hat sich hier wieder was einfallen lassen, um uns etwas als positiv zu verkaufen? Nun, ich wurde nicht enttäucht. Noch mehr kann man die Wissenschaftsfreiheit nicht beschneiden – außer man lebt in China. Wobei dort auch nicht alles schlecht ist wie oft berichtet wird, aber das ist eine andere Geschichte.
Eingriffe in Promotionsverfahren
Kritik entzündet sich auch an Eingriffen in Promotionsabläufe (Trennung von Betreuung und Begutachtung), die in kleinen Fächern organisatorisch kaum zu stemmen sind. Wenn parallel die Haushaltsbasis erodiert, werden Leitungs‑ und Verwaltungskapazitäten von inhaltlicher Profilbildung abgezogen. Das ist eine stille, aber reale Qualitätsbremse für Forschung und Lehre – und das nicht nur im Bauwesen (siehe u.a. diese Stellungnahme oder sie Stellungnahme der GEW NRW).
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Infrastruktur als unverzichtbare Basis setzt Hochschulen unter Druck
Bauingenieurfakultäten sind in besonderem Maß von teurer, sicherheitskritischer Infrastruktur abhängig: Materialprüfstände, Versuchshallen, künstliche Gerinne für den Wasserbau, Betontechnologie‑ und Baustoffprüflabore, Sensorik und Messdatenerfassung, dazu die komplette digitale Kette aus Scan‑to‑BIM, Modellkoordination, Simulation, Robotik und XR‑Visualisierung.

Von „nice to have” zu „unverzichtbar”
Solche Einrichtungen sind heute kein „nice to have” mehr. Im Gegenteil: Sie sind unumgänglich für kompetenzorientierte Lehre und für Forschendes Lernen. Wenn ich mit meinem Team versuche, neue Lehrkonzepte in die Praxis zu bringen, stehen wir oft vor der Frage: Woher können wir die notwendige Technik beziehen und ist die Technik überhaupt noch zeitgemäß bzw. einsatzfähig? Und wenn es dann klappt, kommt die Frage: Wer bezahlt denn die Wartung? Genau hier spürt man, wie stark die Finanzierung von Lehre und die Qualität von Lehre miteinander verwoben sind.
Wert für Praxis und Studium
Zahlreiche Universitäten haben über die Jahre umfangreiche Labore aufgebaut und ermöglichen den Studierenden damit eine fundierte, praxisorientierte Ausbildung. In der Praxis wird dies sehr geschätzt: Absolventinnen und Absolventen bringen nicht nur theoretisches Wissen mit, sondern auch unmittelbare Erfahrung im Umgang mit Materialien, Prozessen und digitalen Werkzeugen. Genau diese Verbindung aus Theorie und Praxis stärkt den Innovationsstandort Deutschland.
Personal- und Wartungsintensität als Achillesferse
Was jedoch oft übersehen wird: Solche Labore sind personal- und wartungsintensive Infrastrukturen innerhalb der Fakultäten. Kürzungen treffen daher nicht nur die aktuelle und zukünftige Geräteausstattung. Sie gefährden auch die Fähigkeit, Labore überhaupt nach geltenden Sicherheitsstandards, mit ausreichender Betreuung und in angemessener Taktrate zu betreiben. Ohne diese Basis können Baustudiengänge ihren Qualitätsanspruch nicht halten.
Individuelle Ebene: Mitarbeitende zwischen Idealismus und Erschöpfung
Befristungskultur und Praxisdruck
Im Mittelbau verdichten sich die Belastungen. Das Wissenschaftszeitvertragsgesetz ermöglicht eine weitreichende Befristungskultur; die angekündigten Reformen sollten Planbarkeit verbessern, haben aber die Grundlogik der Kettenbefristungen bislang nicht überwunden (siehe hier). In Fächern mit hoher Praxisdichte – wie dem Bauingenieurwesen – heißt das oft: sehr viel Lehr‑, Labor‑ und Prüfungsorganisation bei zugleich schmalen Forschungskorridoren, die notwendig sind für die eigene wissenschaftliche Qualifikation.
Balance zwischen Lehre und Promotion
Wenn Kürzungen Stellen einfrieren und Lehrdeputate steigen, kippt die Balance endgültig: Projektakquise, Publikationen, Drittmittel und internationale Vernetzung – und das alles neben der Promotion. Übrigens für viele in der Regel der Grund, warum sie zur Hochschule gegangen sind. Im schlimmsten aber leider auch nicht seltensten Fall bleibt das Promotionsvorhaben liegen, obwohl dieses die Karrierelogik bestimmen sollte. Man muss nur mit offenen Augen durch die Hochschule gehen: Junge Menschen gehen mit großem Potential und Idealismus in Lehre und Forschung, schreiben gleichzeitig an ihrer Promotion und stemmen Projekte. Das ist ein Ultra-Marathon!

Ein persönliches Wort zur Arbeitsrealität
Auch wenn manche Institutsleitung propagiert, die Zeit für die Promitionsarbeit sei in der Freizeit zu stemmen und die Arbeitszeit wäre rein für Lehre und Forschung des Instituts – Das ist falsch und zudem auch ethisch nicht vertretbar! Der im Arbeitsvertrag hinterlegte Prozentsatz der Arbeitszeit für Forschung dient der Promotion und damit der eigenen wissenschaftlichen Qualifikation. Im Übrigen bei den meisten Promovierenden der Grund für die Befristung.
Abwanderung in die Industrie
Es ist deshalb nachvollziehbar, dass sich nicht wenige fragen, ob der Weg an die Hochschule noch eine Zukunft hat. In dieser Konstellation verlassen qualifizierte Kräfte die Hochschulen – teilweise ohne abgeschlossene Promotion – oder kommen erst gar nicht bei der Hochschule an. Und das nicht aus Mangel an Idealismus, sondern weil die Industrie attraktivere, planbare Alternativen bietet.
Neue Hürden in Promotionsverfahren
Verstärkt wird der Druck auf die Hochschulen durch neue Verfahrensanforderungen, etwa in Promotionsverfahren. Wo wenige Professorinnen und Professoren große Lehraufkommen schultern, kann die strikte Trennung von Betreuung und Begutachtung zu Flaschenhälsen führen, die Promotionszeiten verlängern und die Pipeline des wissenschaftlichen Nachwuchses verengen. Für Bereiche wie Baubetrieb, Konstruktiver Ingenieurbau, Geotechnik oder der Fachdidaktik Bautechnik, in denen Teams oft klein sind, wird die Qualifizierung des Nachwuchses damit zur strukturellen Zitterpartie – ausgerechnet in einem Moment, in dem Hochschulen und Schulen mehr qualifiziertes Personal denn je benötigen.
Blick in die Zukunft
Und denken wir mal weiter. Wenn wir jetzt kein wissenschaftliches Personal weiterentwickeln, wer soll in Zukunft die Lehrstühle übernehmen oder Forschungseinrichtungen leiten? Die Einstellung “Naja, das sehen wir dann.” ist hier völlig fehl am Platz wenn wir nicht bewußt einen Teufelskreis für unsere Zukunft bauen wollen.
Studierende: Qualitätseinbußen im Studium
Spürbare Verluste im Studium
Für Studierende übersetzen sich Einschnitte sofort in spürbare Verluste: reduzierte praktische Lehre durch weniger Laborzeit, weniger Exkursionen, größere Übungsgruppen, seltener betreute Projektarbeit. In Berlin warnten Hochschulen bereits relativ früh und sehr offen vor reduziertem Lehrangebot und dem Rückbau von Studienplätzen – ein Signal, das über die Stadt hinausweist. Wie bereits oben erwähnt werden in Hessen bereits Studiengänge eingestellt und Studienplätze reduziert.
Und auch das Thema Internationalisierung im Studium wird durch die finanziellen Einschnitte beim Deutschen Akademischen Austausch Dienst (DAAD) tangiert. Darüber wird nicht nur nationale sondern auch international berichtet (siehe hier). Das Angebot an Stipendien und in der Mobilitätsförderung in Projekten deutscher Hochschulen muss kurzfristig und umfassend reduziert werden. Das bedeutet, dass allein rund 6.000 Stipendien wegfallen könnten (siehe siehe hier).

Verschulung statt Praxis
Wir müssen da ganz ehrlich zu uns selbst sein: Wenn praktische Studienelemente zu Pflicht‑Mindesttaktungen zusammenschrumpfen, verkommt das Studium zur Verschulung (was es leider zum Teil schon geworden ist 🙁 ), die zwar prüfbar, aber nicht mehr praxisfähig ist. In der Bautechnik im Lehramt verschärft dieser Trend den Lehrkräftemangel an Berufskollegs: In Zukunft noch weniger gut vorbereitete Referendarinnen und Referendare (wenn man mal welche bekommt), mehr Seiteneinstieg (dessen Qualität vielerorts leider auch in der Kritik steht), mehr ad‑hoc‑Kompensation in den Schulen. Gerade letzteres führt zu weiteren Problemen wie Überbelastung der aktuellen Lehrkräfte und als Konsequenz eine weiter verringerte Attraktivität dieses Berufs. Man muss kein Systemtheoretiker sein, um zu erkennen, dass sich hier ein Teufelskreis bildet, der sich selbst verstärkt.
Nicht nur Hochschulen unter Druck: Auswirkungen auf Schulen und Wirtschaft
Und daß das am Ende ein noch komplexeres System ist, kann ich Ihnen als jemand, der selbst angehende Berufskolleg-Lehrkräfte in den Fächern Bautechnik und Tiefbautechnik ausbildet, ganz genau sagen: Wenn an der Hochschule Qualität verloren geht, schlägt das direkt auf die Schulen durch. Das ist kein fernes Problem, sondern kommt im Klassenzimmer an. Und geht von dort auch direkt in die Betrieb und Unternehmen. Ich hatte bereits das Handlungskonzept Unterrichtsversorgung erwähnt. Die NRW‑Planungen zur Unterrichtsversorgung benennen in der Tat den Druck seit Jahren. Dieser Druck wird unter Sparzwang nicht abnehmen, sondern im Gegenteil, er wird zunehmen. Und das mit spürbaren Folgen für die Studierenden.
Inhaltliche Konsequenzen: Lernen mit Werkzeugen von gestern?
Politische Ziele und Hochschulrealität
Das Paradoxe an der Tatsache, dass Hochschulen unter Druck stehen, ist, dass zentrale Transformationspfade des Bauwesens – Digitalisierung, Nachhaltigkeit, Kreislaufwirtschaft – in politischen Strategien klar benannt sind, die Hochschulrealität aber durch die Sparzwänge in die Gegenrichtung gedrückt wird. BIM ist bei Bundesbauten und in der Verkehrsinfrastruktur etabliert, Leitfäden und Masterpläne liegen vor, ein nationales Zentrum treibt Wissenstransfer und Standardisierung.

Das klingt alles sehr innovativ und auf die Zukunft ausgerichtet – was wir auch dringend benötigen! Aber um wirklich ernsthaft und orientiert an der Praxis Future Skills zu fördern müssen Hochschulen innovative Lehr-Lernmethoden entwickeln und umsetzen, welche die verändernden Anforderungen auf dem Beschäftigungsmarkt reflektieren. Nur so können wir das Bauwesen zukunftssicher gestalten und gemeinsam den Herausforderungen der digitalen Transformation begegnen (siehe der Beitrag Future Skills im Bauwesen: Kompetenzen für die digitale Zukunft).
Fehlende Ausstattung für die Praxis
In der Realität fehlt es in den Hochschulen aber an den Mitteln, um diese Zukunftsaufgaben angemessen zu bewältigen. Hochschullehre bräuchte moderne Software-Stacks, Kollaborationsplattformen, Modellserver, Rechenleistung, Robotik und XR-Ökosysteme, um beispielsweise Open-BIM oder Baurobotik lebensnah erlebbar zu machen. Stattdessen lernen Studierende an veralteten Toolchains, und die Forschung zieht sich vom Visionären zurück auf das Machbare. Damit können Universitäten ihre Rolle als Innovationstreiber für die Praxis nicht mehr erfüllen. Warum eine kontinuierliche und schnellere Rekalibrierung der Hochschullehre in Zukunft noch relevanter wird lesen Sie zum Beispiel im Beitrag The Gentle Singularity: Wie KI die Bauwirtschaft neu definiert.
Förderprojekte reichen nicht aus, um den Druck von Hochschulen zu nehmen
Förderlinien zur Lehrinnovation – etwa auf Bundes‑/Länder‑Ebene – setzen wichtige Impulse. Davon haben wir beispielsweise auch in unseren Projekten KI4Edu und DigiTeamsBau profitiert. Doch ohne verlässliche Grundfinanzierung bleiben solche Leuchttürme die Ausnahme, da sie ihr Potential nicht langfristig entfalten können, denn nicht jeder hat das Glück, dass die eigenen Forschungs- und Entwicklungsergebnisse direkt in der Strategie der eigenen Hochschule verankert und ausgerollt werden.
Die wachsende Lücke
So entsteht eine immer größere Lücke zwischen „Digitalisierung in der Bauwirtschaft” als politischem Leitziel und dem, was im Hörsaal, im Labor und in der Versuchshalle tatsächlich möglich ist. In meinen eigenen Projekten zur digitalen Transformation, ebenso wie im Austausch mit Kolleginnen und Kollegen anderer Hochschulen, erlebe ich regelmäßig, wie diese Lücke wächst. Wir entwickeln innovative Ansätze, doch die technische Ausstattung hinkt dem Anspruch hinterher.
Bei knapper werdenden Mitteln muss zudem zwangsläufig priorisiert werden. Und so gilt: Der Grundbetrieb einer Fakultät muss gesichert sein, bevor man neue Innovationen wagt. Es ist wie im Alltag – niemand gönnt sich eine teure Torte, wenn nur noch trockenes Brot im Budget ist.
Motivation der Studierenden
Diese Diskrepanz bleibt auch den Studierenden nicht verborgen. Viele bringen eine starke Motivation mit, nicht nur Nutzende, sondern selbst Treiber der Transformation zu sein. Doch dafür brauchen sie eine Hochschullandschaft, die in der Lage ist, diese Motivation aufzugreifen, sie in die Lehre einzubinden und in die Forschung zu überführen. Nur so kann die Energie der jungen Generation in echte Innovationskraft übersetzt werden.
Hochschulen unter Druck: Wer am Fundament spart, gefährdet das Gebäude
Die Einsparungen treffen ausgerechnet jene Fächer, die Deutschland für die große Bau-Transformation braucht: Bauingenieurwesen und das Lehramt Bautechnik. Strategisch werden Fakultäten in einen Spagat gezwungen, in dem sie die „Zukunft Bau” gestalten sollen, während ihre infrastrukturellen und personellen Grundlagen erodieren.

Individuell stoßen Mitarbeitende an Grenzen, weil Befristungslogik, hohe administrative Lasten und finanzielle Kürzungen die wissenschaftliche Entwicklung ausbremsen. Zudem erleben Studierende eine Verarmung der Lerngelegenheiten, die sich später in der Baupraxis und im Klassenzimmer bemerkbar macht. Diese Gemengelage zeigt, wie sehr Hochschulen unter Druck geraten, nicht durch Naturgesetze, sondern durch politische Prioritätensetzungen die in jedem Bundesland spürbar wird. Wer jetzt die Haushaltsbasis nicht stabilisiert, verzichtet morgen auf Innovations‑ und Ausbildungskraft. Eine echte Hochschulstärkung müsste Investition, Planungssicherheit und wissenschaftliche Freiheit sichern – nicht Bürokratie und Kürzungen.
Hochschulen unter Druck: Konkrete Handlungsmöglichkeiten für Politik, Lehre und Praxis
Wer mich kennt, der weiß, ich mag kein “Mimimi”. Denn Kritik allein reicht nicht aus. Wenn Hochschulen unter Druck geraten, braucht es konkrete Lösungen, die auf verschiedenen Ebenen ansetzen – von der Politik über die Hochschulleitungen und Fakultäten bis hin zu Mitarbeitenden, Studierenden und der Bauwirtschaft selbst. Denn die aktuellen Kürzungen sind kein Naturgesetz, sondern Ergebnisse politischer Entscheidungen und struktureller Versäumnisse in der Vergangenheit. Um die Zukunft des Bauingenieurwesens und der Bautechnik im Lehramt zu sichern, braucht es koordinierte Maßnahmen, die finanzielle Stabilität schaffen, bürokratische Hürden abbauen und neue Kooperationen ermöglichen.
1. Politik & Ministerien
- Grundfinanzierung sichern: Keine Entnahmen aus Rücklagen, sondern planbare Investitionslinien für Labore, digitale Infrastruktur und Personal.
- Koordination verbessern: Ministerium für Kultur und Wissenschaft (MKW) sollte sich enger mit dem Ministerium für Schule und Bildung (MSB NRW) verzahnen, damit Fachwissenschaften und Lehramtsausbildung noch besser aufeinander abgestimmt sind.
- Internationale Kooperationen schützen: Gerade in meinen eigenen internationalen Kooperationen sehe ich, wie wichtig stabile Förderungen sind, um Deutschland als verlässlichen Partner sichtbar zu halten. Durch die geplanten Kürzungen beim DAAD wird die globale Vernetzung der deutschen Hochschulen mit großer Wahrscheinlichkeit geschwächt werden. Das betrifft z.B. Stipendien, Forschungs- und Lehrkooperationen im internationalen Kontext. Das muss auf jeden Fall vermieden werden!
- Bürokratie reduzieren: Berichtspflichten und neue Regularien vereinfachen, damit Kapazitäten für Forschung und Lehre frei werden. Es kann icht sein, dass wir für ein Projekt eine Vielzahl an Stunden in Dokumentation und Verwaltung stecken anstatt in die inhaltliche Arbeit. Da stimmt langsam das Verhältnis nicht mehr.
2. Hochschulleitungen & Fakultäten
- Innovationen sichtbar machen: Erfolgreiche Lehr- und Forschungsprojekte stärker kommunizieren, um politische Unterstützung und Drittmittel zu gewinnen. Getrue dem Motto: Tue Gutes und rede darüber. Mit Projekten wie KI4Edu und DigiTeamsBau habe ich selbst erlebt, wie wichtig es ist, innovative Ansätze sichtbar zu machen – erst dadurch entstehen Unterstützung und neue Kooperationen. Nicht umsonst betreiben wir einiges an Anstrengungen um entwickelte Tools wie die Methodenscheibe und MyCrystalBall oder Spiele und Simulationen wie Construction Giant und den Construction Project Flight Simulator (CPFS) öffentlich zu machen.
- Profil schärfen: Stärkere Argumentation der Unverzichtbarkeit praxisintensiver Fächer (Bauingenieurwesen, Bautechnik im Lehramt) gegenüber Politik und Gesellschaft.
- Open Hardware und FabLabs etablieren: Getreu dem Motto “Was ich nicht kaufen kann mach ich mir selbst” können Budgetrestriktionen teilweise durch den Einsatz von Do‑It‑Yourself-Technologien und universitärer FabLab-Infrastruktur kompensiert werden. Durch offene Hardware, lokale Fertigung und kostengünstige Standardlösungen lassen sich Laborausstattung und Experimentiermöglichkeiten erhalten.
- Ressourcen in der Hochschule bündeln: Anknüpfend an den zuvor genannten Punkt sollte die gemeinsame Nutzung von Laboren, digitalen Plattformen für Lehre und Forschung hochschulübergreifend in Erwägung gezogen werden. In unserer Abteilung bereiten wir uns zum Beispiel darauf vor ein “Multifunktionales Lehr-Lernlabor” zu etablieren, auf das mehrere Bereiche Zugriff haben sollen.
- Netzwerke über die eigne Hochschule hinweg aufbauen und nutzen: Kooperation und Koordination über Hochschulen hinweg kann Ressourcen bündeln. Beispielsweise in der Nutzung von Laborkapazitäten, digitaler Infrastruktur oder Forschungsplattformen.
3. Wissenschaftliche Mitarbeitende
- Netzwerke ausbauen: Überregionale Verbünde sollten etabliert und gepflegt werden, um Forschungslücken trotz Sparzwängen zu schließen. Dabei kann es auch hilfreich sein über den fachlichen Tellerrand zu schauen und sich mit fachfremden Bereichen zusammenzuschließen. Aus solchen Netzwerken habe ich bereits sehr spannende Ansätze entwickelt, die z.B. zu gemeinsamen Publikationen führten.
- Arbeitsbedingungen thematisieren: Als Senator oder in meiner Leitungsrolle sehe ich mich immer wieder mit individuellen Fällen konfrontiert, in denen Befristungen und fehlende Freiräume zur Promotion eine große Belastung für die Betroffenen darstellen. Hier gilt es deutlicher auf Missstände hinzuweisen. Und das nicht nur intern, sondern auch öffentlich. Das ist in der Tat eine Gradwanderung, vor allem weil man als Mitarbeiterin bzw. Mitarbeiter in einem Abhängigkeitsverhältnis zum Chef steht, der gleichzeitig Betreuer der eigenen Promotion ist. HIer ist das vertrauliche Gespräch mit einer Vertretung des Personalrats ein wertvoller Schritt.
- Praxis-Kooperationen nutzen: Ich unterhalte seit vielen Jahren enge Kontakte in die Bauwirtschaft und zu beruflichen Schulen. Ich nutze diese Schnittstelle gleichermaßen, um Studierende zu unterstützen und Forschungsprojekte zu initiieren die auch ohne volle staatliche Finanzierung funktionieren können.
4. Studierende
- Engagement zeigen: Ich schätze es sehr, wenn Studierende sich in Fachschaften, Hochschulgremien oder auch vereinzelten Projekten engagieren und dort z.B. ihre Forderung nach besserer Ausstattung oder einer Verbesserung der Lehre einbringen. Ebenso ist die Teilnahme an Hochschulprotesten ein legitimes und notwendiges Mittel, um die Stimme vieler Menschen in die Breite zu tragen.
- Selbstorganisiertes Lernen: In der Vergangenheit haben wir als Fachschaft Bau eigene PC-Kurse mit den uns zur Verfügung stehdnen Ressourcen angeboten. Das heißt, dass Peer-to-Peer-Formate, studentische Projekte (z. B. BIM-AGs, Makerspaces) fehlende Kapazitäten abfedern könnten.
- Kooperationen mit der Praxis: Wenn im Studium die Verknüpfung zur Praxis nicht mehr in dem Maße möglich ist, dann sollte z.B. im Praxissemester oder in Projekt- und Abschlussarbeiten gezielt nach Kooperationen mit Unternehmen gesucht werden, um die Lücke zur Realität zu schließen. Das kann auch helfen fehlende Hochschulressourcen abzufangen.
5. Gesellschaft & Bauwirtschaft
- Fachkräftemangel klar adressieren: Aus Praxisgesprächen bekomme ich immer wieder Rückmeldungen, wie dringend die Bauwirtschaft auf gut ausgebildeten Nachwuchs angewiesen ist. Deshalb sollten Unternehmen, Kammern und Verbände die Konsequenzen als Folge der Kürzungen an Hochschulen laut und deutlich benennen. Nur wenn man die Stimmen und Kräfte bündelt kann man etwas erreichen. Vereinzelte Einzefälle finden in der Regel kein Gehör.
- Partnerschaften fördern: Aus meiner Zeit in den USA habe ich gelernt, dass die Einbeziehung der Wirtschaft ein entscheidender Motor sein kann für die Qualität von Forschung und Lehre. Firmen können Labore mitfinanzieren oder Praktikumsplätze bereitstellen – eine Win-Win-Situation für Nachwuchs und Unternehmen.
- Öffentliche Debatte stärken: Klarmachen, dass Kompetenz im Bauwesen nicht nur ein Fachthema ist. Es ist Grundlage für eine Vielzahl gesellschaftsrelevanter Themen wie beispielsweise Infrastruktur, Wohnungsbau und Klimaanpassung. Und das muss in die gesellschaftliche Breite getragen werden. Nicht umsonst betreibe ich den BauVolution Blog, wo ich bewusst solche Themen einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich machen möchte und um Impulse aus der Praxis zurück in die Wissenschaft zu spiegeln.
Und nun?
Es braucht eine ehrliche Korrektur der Prioritäten: verlässliche Grundfinanzierung für Labore, Personal und digitale Infrastruktur; hochschulrechtliche Vorgaben, die Qualitätsziele sichern, ohne Fakultäten in Verfahren zu ersticken; und eine Nachwuchspolitik, die Qualifizierung attraktiv und planbar macht. Ich sage das nicht aus abstrakter Beobachtung, sondern aus täglicher Erfahrung in Forschung, Lehre und der Ausbildung von Lehrkräften im Bauwesen.
Wer die Hochschulen schwächt, schwächt auch die Praxis auf der Baustelle und im Klassenzimmer. Wenn die Prioritäten wieder stimmen, dann kann Forschung und Lehre im Bauwesen wieder das sein, was die Politik zurecht erwartet: Motor der Transformation, Garant handfester Qualität und Hebel gegen den Lehrkräftemangel in der Bautechnik – nicht trotz, sondern wegen wissenschaftlicher Freiheit, guter Arbeit und starker Hochschulen.
Doch dafür braucht es mehr als kluge Worte. Es braucht eine starke Stimme aus Wissenschaft, Praxis und Gesellschaft, die den Wert von Hochschulen sichtbar macht. Deshalb mein Appell: Diskutieren Sie mit, teilen Sie Ihre Erfahrungen, und bringen Sie sich in die Debatte ein – ob als Studierende, Lehrende, Forschende oder Vertreterinnen und Vertreter der Bauwirtschaft. Nur gemeinsam können wir den politischen Druck in konstruktive Lösungen verwandeln. Lassen Sie uns die Hochschulen nicht nur kritisieren, sondern aktiv stärken.
Ich für meinen Teil werde dieses Thema auch weiterhin in meiner Lehre, Forschung und auf BauVolution begleiten – nicht nur kritisch, sondern mit Lösungen und Beispielen aus der Praxis.
Quellenverzeichnis
DAAD. (2022, 22. Juli). DAAD vor großen Einschnitten: Rund 6.000 Stipendien gefährdet. Deutscher Akademischer Austauschdienst. online verfügbar
Deutschlandfunk. (2024, 19. Juni). Reform des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes: Mehr Planbarkeit oder weiter Kettenbefristungen?. online verfügbar
fzs – freier zusammenschluss von student*innenschaften. (2025, 26. Februar). NRW plant Kürzungen bei Hochschulen in Millionenhöhe. online verfügbar
Frankfurter Rundschau. (2025, 17. Februar). Wegen Hessens Sparkurs streichen Unis Studiengänge. online verfügbar
GEW NRW. (2024). Stellungnahme zum Hochschulstärkungsgesetz 2024. Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft NRW. online verfügbar
MKW NRW. (2024). Hochschulstärkungsgesetz. Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW. online verfügbar
Schulministerium NRW. (2024, 24. Mai). Fortschreibung Handlungskonzept Unterrichtsversorgung. Ministerium für Schule und Bildung NRW. online verfügbar
Tagesspiegel. (2025, 8. Januar). Kürzungen in der Wissenschaft: Spart sich Berlin seinen größten Trumpf kaputt? Der Tagesspiegel. online verfügbar
VDI. (2024, 15. November). Fachkräftemangel: Großes Hindernis für mehr Patente und Innovationen. Verein Deutscher Ingenieure. online verfügbar
VDI Nachrichten. (2025, 2. März). Der Ingenieurnachwuchs in Deutschland auf der Kippe. online verfügbar
VHB. (2024). Positionen zum Hochschulstärkungsgesetz. Verband der Hochschullehrer für Betriebswirtschaft e.V. online verfügbar
ZDFheute. (2025, 7. Januar). Berliner Hochschulen vor Kürzungen: 140 Millionen Euro fehlen. online verfügbar
Science|Business. (2025, 12. März). €13M cut threatens Germany’s international scientific collaborations. online verfügbar
Schlagwörter: Hochschulen unter Druck, Bauingenieurwesen, Bautechnik Lehramt, Digitalisierung Bauwirtschaft, Sparzwang Hochschulen, Lehrkräftemangel Bautechnik, Forschung und Lehre Bauwesen, Hochschulpolitik NRW, Kürzungen Hochschulen, Zukunft Bauwirtschaft, digitale Transformation
Diesen Beitrag zitieren:Karl, C. [Christian K. Karl]. (2025). Hochschulen unter Druck: Kürzungen bremsen digitale Transformation [Blog-Beitrag]. 27.08.2025.BauVolution, ISSN 2942-9145.online verfügbar
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Hochschulen sind von massiven Sparzwängen betroffen. Gleichzeitig steigen die Erwartungen an sie: Digitalisierung, Nachhaltigkeit, internationale Wettbewerbsfähigkeit und exzellente Forschung sollen trotz sinkender Budgets gewährleistet werden.
Im Bauingenieurwesen sind teure Labore, Versuchsanlagen und digitale Infrastruktur unverzichtbar. Werden Budgets gekürzt, leidet die Qualität der Ausbildung, da praxisnahe Lehre und forschungsnahe Projekte nicht mehr im bisherigen Umfang stattfinden können.
Die Bautechnik im Lehramt ist ein Mangelfach. Weniger Mittel führen zu einer weiteren Veränderung der Ausbildungskapazität und gefährdet den Fortbestand aktueller Studienstandorte, was den Lehrkräftemangel an Berufskollegs weiter verschärft und die Qualität der beruflichen Bildung langfristig weiter schwächen wird.
Für die digitale Transformation des Bauwesens sind moderne Software, BIM-Umgebungen, Simulationen und XR-Technologien entscheidend. Ohne stabile Investitionen lernen Studierende mit veralteten Werkzeugen und Hochschulen verlieren ihre Rolle als Innovationstreiber.
Es braucht eine verlässliche Grundfinanzierung, Investitionen in Labore und digitale Infrastruktur sowie weniger Bürokratie. Nur so können Hochschulen ihren Auftrag erfüllen, Forschung und Lehre im Bauwesen auf hohem Niveau zu gewährleisten.
Dr.-Ing. Christian K. Karl ist Bauingenieur, Fachdidaktiker und Experte für die digitale Transformation in der Bau- und Immobilienwirtschaft. Er leitet die Fachdidaktik Bautechnik an der Universität Duisburg-Essen und forscht zu BIM, Künstlicher Intelligenz, Future Skills und Resilienzbildung in der Bau- und Einsatzpraxis. Zudem ist er Vorsitzender des Richtliniengremius VDI/bS 2552 Blatt 8 zur BIM-Qualifizierung. Neben seiner akademischen Tätigkeit engagiert er sich ehrenamtlich in der DLRG sowie als Berater und Coach für digitale Transformationsprozesse. Auf BauVolution.de verbindet er wissenschaftliche Expertise mit praxisnahen Einblicken. Abseits der Forschung ist er Familienvater, Filmenthusiast, Taucher, Fallschirmspringer und Motorsport-Fan.






