In der Serie „Im Dialog“ spreche ich mit Expertinnen und Experten über spannende und innovative Themen aus der Bau- und Immobilienwirtschaft. Heute freue ich mich sehr, dass Herr Jakob Przybylo sich die Zeit nimmt, um mit uns über das Thema integrierte Projektabwicklung (IPA) mit BIM (Building Information Modeling) zu sprechen.

CK: Sehr geehrter Herr Przybylo … oder soll ich beim Du bleiben?

JP: Christian, wir kennen uns schon etwas länger. Natürlich duzen wir uns!

CK: Du bist bereits seit vielen Jahren im BIM-Umfeld aktiv. Spätestens seit dem BIM-Leitfaden für Deutschland kennt man Dich. Damit Dich alle Leserinnen und Leser einordnen können: Stelle bitte Dich und Dein Unternehmen, DT BAU Consulting, kurz vor. Wo kommst Du her und was hast Du mit der Digitalisierung am Hut?

JP: Gerne. Unser Unternehmen, DT BAU Consulting, hat sich auf die Beratung zur digitalen Transformation im Bauwesen spezialisiert. Wir bieten strategische Unterstützung bei der Implementierung von Building Information Modeling (BIM) und der Entwicklung neuer Geschäftsprozesse. Darüber hinaus begleiten wir zumeist Bauherren bei ersten Pilotprojekten oder besonders komplexen Vorhaben. Als CEO bringe ich 15 Jahre Erfahrung im Bereich BIM mit. Unser Team besteht aus einigen sehr herausragenden und erfahrenen Kollegen, wodurch ich hier nur Durchschnitt bin [lacht].
Unser Hauptantrieb ist es, Unternehmen bei ihrer Transformation zu unterstützen, sie schnell und nachhaltig mittels BIM erfolgreich zu machen. Am Ende liegt unser Fokus stark auf den Menschen. Wir glauben, dass der Mensch das Herzstück jeder erfolgreichen Transformation ist.

CK: Der Mensch im Mittelpunkt. Das finde ich einen sehr schönen Ansatz. DT BAU Consulting hat seit geraumer Zeit viel Erfahrung mit der Integrierten Projektabwicklung (IPA) in Verbindung mit digitalen Methoden. Dies macht Euch zu einem der ersten Experten auf diesem Gebiet. Wie kam es dazu?

JP: Unser Team hat viel Erfahrung bei dem Projekt „Allianz 3 Schulen Bremerhaven“ gesammelt. Wir betreuen es als Digital Coach und BIM-Manager seit mehreren Jahren. Es ist das erste Projekt seiner Art in Deutschland mit IPA, BIM und Lean. Es wird von den öffentlichen Institutionen Städtische Wohnungsgesellschaft, kurz STÄWOG, und Bremerhavener Gesellschaft für Investitionsförderung und Stadtentwicklung, kurz BIS, geleitet. Insgesamt sind es acht Partner.
Doch mehrere Mitglieder unseres Teams, insbesondere Marcus Schreyer und Markus Lampe, besitzen bereits Erfahrungen mit IPA. Marcus seit seinem Forschungsaufenthalt am CIFE, Stanford und Markus über seine dänischen Projekte. Das trägt sicherlich zur Stärke und Kompetenz unseres Teams bei. So ein Vorhaben ist nicht einfach und ein Beweis für die Expertise, die DT BAU Consulting aufgebaut hat. Wir setzen gerne neue Standards in der Branche und freuen uns über Herausforderungen.

Bildnachweis: Allianz-3-Schulen Bremerhaven

CK: Oh ja, das CIFE habe ich auch noch in guter Erinnerung. Jakob, kannst Du für die Leserinnen und Leser kurz erklären, was unter IPA verstanden wird und wie die BIM-Methode hier reinwirkt?

JP: Gerne. IPA, auch im Ausland bekannt als Integrated Project Delivery, kurz IPD, ist eine Methode, die in der Bauindustrie zur Optimierung der Projektabwicklung eingesetzt wird. Sie basiert auf einem kollaborativen, teambasierten Ansatz, der alle Beteiligten von Anfang bis Ende zusammenbringt. Bei der IPA sind alle Beteiligten, Auftraggeber, Architekten, Ingenieure, Bauunternehmer usw. von Anfang an eingebunden, haben einen gemeinsamen Vertrag, den Projekterfolg als gemeinsames Ziel und arbeiten kollaborativ daran dieses Ziel zu realisieren. Rechte und Pflichten werden geteilt. Die BIM-Methode spielt in der Integrierten Projektabwicklung eine ganz wesentliche Rolle. Sie erhöht die Transparenz im Projekt, schafft ein gemeinsames Projektverständnis und die Grundlage für allerlei Arbeitsprozesse.
Durch die Kombination mit IPA und Lean kommen BIM, bzw. die Zusammenarbeit auf ein ganz neues Niveau.

CK: Das hört sich nach zahlreichen Vorteilen an, oder?

JP: In der Tat, die Kombination von IPA und BIM bietet zahlreiche Vorteile. Von Effizienzsteigerungen bis zur Kosten- und Zeitersparnis. Darüber kann man sich lange unterhalten…

CK: … Dann lass uns gleich mal die Risiken aufgreifen. Über IPA wird viel gesprochen. Ihr habt einschlägige Erfahrungen. Können die Vorteile in der Praxis auch wirklich so realisiert werden? Oder welche Schwierigkeiten treten in der Praxis auf?

JP: Ja, natürlich begegnen uns in der Praxis einige Herausforderungen.
Über Potentiale zu reden ist einfach. Aber diese auch zu realisieren, ist nicht ganz so selbstverständlich.
Die IPA-Umsetzung erfordert eine Änderung der traditionellen Rollen und Verantwortlichkeiten. Das heißt, eine stetige Anpassung der Prozesse, Rollen und Aufgaben. Und das in einem laufenden Projekt mit neuen Beteiligten. Die meisten Personen haben diese Erfahrung nicht. Das ist auch nicht immer ganz einfach. Unternehmen mit einer hohen Hierarchie tun sich beispielsweise zu Beginn recht schwer.

CK: Das klingt sehr dynamisch. Und wie setzt Ihr das als Digital-Coach um?

JP: In Bremerhaven besteht die Allianz aus 8 Unternehmen. Die Firma Lumico ist der IPA-Coach. Wir kümmern uns um die Digitalisierung. Es ist recht herausfordernd. Die IPA ist wie eine Firma auf Zeit, ähnlich einer Fusion von 8 Unternehmen. Hier greifen wir auch auf unsere Change Kompetenz und Expertise aus der Unternehmensberatung zurück.

CK: Das Projekt, das Du genannt hast, ist das ein typisches IPA-Projekt? Beziehungsweise, wann macht IPA Sinn?

JP: IPA erweist sich im Allgemeinen als äußerst effektiv, insbesondere jedoch für große oder komplexe Projekte. Das heißt für Vorhaben mit zeitlichen Einschränkungen oder anderen Unsicherheiten.

CK: Das kling ja schon nach einem eher breiten Anwendungsfeld. Was empfiehlst du Personen, die auch an IPA-Projekten teilnehmen wollen oder es zumindest interessant finden?

JP: IPA kennen zu lernen ist sicher für jeden zu empfehlen. Eine Option ist natürlich eine Beratung, bei der die Handlungsbedarfe aus Unternehmenssicht z.B. für einen Generalunternehmer eruiert werden.
Der andere Ansatz ist ein Seminar wie die IPA-Werkstatt. Das ist ein spannendes und praxisnahes Tagesformat, das wir gemeinsam mit Lumcio und Makeo durchführen. Das ist der ideale Einstieg.
In beiden Fällen können mich die Leser gerne anfragen.

CK: Unabhängig von IPA ist Dein Unternehmen auch einschlägig bei der BIM-Einführung erfahren, richtig?

JP: Das ist richtig. Neben dem BIM-Management sind die BIM-Transformation des Unternehmens bzw. auch das Change Management zwei unserer Kernthemen. Hier kommen wir zu Beginn mit dem Kick-off mit rein und bauen unternehmensintern das BIM-Team und weitere Strukturen wie die Softwarelandschaft auf. Oft helfen wir auch dem BIM-Verantwortlichen, wenn es nicht so gut läuft und die Einführungsprozesse wenig wirksam sind.
Wie vorhin kurz angerissen sehen wir Change Management aber nicht stur als eine reine  Unternehmensfrage. Change-Effekte sind ebenso bei BIM-Projekten von Belang. Jedes Projekt startet mit unterschiedlichen Menschen, das bedeutet auch Kompetenzen, Vorstellungen und Motivationen. Ohne Verständnis für die Menschen und Ihre Bedürfnisse kommt man als BIM-Manager nicht weit. Trotz aller Schulungen wird sich die Situation in Zukunft auch nicht so schnell ändern.

CK: Vielleicht ein Tipp dazu an unsere Leserinnen und Leser: Was macht eine gute BIM-Einführung aus bzw. worauf kommt es an?

JP: Die Einführung von BIM erfordert gemeinsame Ziele und einen klaren Weg, der von allen Mitarbeitern verstanden und konsequent begangen wird. Hier ist die höchste BIM-Kompetenz eines Mitarbeiters nicht ausschlaggebend. Eher gilt es wenig zu entwickeln, das aber konsequent in die Breite zu bringen. Das ist aus unserer Sicht eines der wesentlichen Erfolgsgeheimnisse.
Den Mitarbeitern zuhören ist dabei genauso wichtig, wie das Management, das BIM konsequent einfordert und unterstützt.

CK: Welche Fehler werden hier oft umgesetzt? Kannst du drei nennen, Jakob?

JP: Fehler passieren viele und häufig. Diese begegnen uns natürlich zu Beginn. Aber auch Unternehmen, die bereits fortgeschritten sind, kommen immer wieder ins Straucheln und generieren Fehlinvestitionen. Wir bieten hier als Hilfe einen Check. Auf- und Abs sind aber ganz normal.
Nicht schön ist es, wenn Mitarbeiter mit der BIM-Entwicklung unzufrieden sind und gehen, was leider häufig erfolgt.
Wenn Du drei Punkte hören willst, dann nenne ich erstens die fehlende BIM-Strategie für das Unternehmen, zweitens Führungsmangel und drittens Missverständnis, was BIM überhaupt ist und vielmehr, was es tatsächlich bedeutet.
Ich schätze, dass jedes Unternehmen mind. 50% effektiver sein und auch signifikant Fehlinvestitionen reduzieren kann. Beratungskosten sehe ich nicht als Hauptkostenfaktor. Es ist die Ineffizienz.

CK: Ansonsten bist du als einer der ersten Experten im Bereich Weiterbildung aktiv, richtig? Zum Beispiel bei der DIN Akademie und beim VDI Wissensforum. Warum ist das für Dich wichtig?

JP: Wir teilen immer gerne unser Wissen und unterstützen andere dabei, ihre Kenntnisse zu erweitern. Es macht Spaß zu sehen, wie innerhalb von kurzer Zeit erste Experten heranreifen. Das macht Spaß und motiviert.

CK: Etwas, das uns definitiv verbindet. Abschließend eine Frage zum Ausblick: Derzeit wird viel über Künstliche Intelligenz, kurz KI, gesprochen. Wie wird sich das auf unsere Branche und Arbeit auswirken?

JP: Zurecht. KI ist schon das Thema der kommenden Jahre und hoch disruptiv. KI revolutioniert bereits die Branche. Die Fähigkeit, komplexe Probleme zu lösen und Prozesse zu überdenken ist bemerkenswert.
Alle Gewerke vom Architekten bis zum Projektmanager empfehle ich die Wirkungsweise von KI auf ihre Geschäftsmodelle zu untersuchen. Herausforderungen im Bereich Datenschutz und Sicherheit bestehen, werden die Entwicklung am Ende aber nicht aufhalten.

CK: Das sind wirklich faszinierende Aussichten. Wir können also gespannt sein auf das, was noch kommt. Vielen Dank, Jakob, dass Du Dir Zeit für uns genommen hast.  Falls die Eine oder der Andere im Nachgang noch konkrete Fragen hat, darf man sich bestimmt bei Dir melden, oder?

JP: Ich bitte darum! Und herzlichen Dank zurück. Es war mir eine Freude über diese spannenden Themen zu diskutieren. 

CK: Prima. Dann nochmals herzlichen Dank und weiterhin alles Gute und viel Erfolg.

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Schlagwörter: Integrierte Projektabwicklung, IPA, BIM, Building Information Modeling, Change Management, Digitalisierung, Im Dialog, Interview

Diesen Beitrag zitieren: Karl, C. [Christian K. Karl]. (2024). Im Dialog: Jakob Przybylo über integrierte Projektabwicklung mit BIM [Blog-Beitrag]. 11.04.2024. BauVolution, ISSN 2942-9145. online verfügbar

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